Belegstellenkönigin oder F1 ?

 

Belegstellen – oder F1 Königin?

Eine Frage die oft von Jungimkern an den Stammtischen gestellt wird. Oft,wie gesagt, denn Vielen sagt der Begriff F1 nichts und da die Belegstellenkönigin teurer ist, wird sie automatisch mit „besser“ bewertet. Wenn die teurere Belegstellenkönigin im Ertrags-Spitzenfeld dabei ist, fühlt man sich bestätigt. Wenn nicht, ist die Enttäuschung groß und das Unverständnis ebenso.

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Belegstellenköniginnen machen nur Sinn wenn man davon vermehren möchte ! Ihre Töchter die anschließend standbegattet werden, sind die erste Filialgeneration – also F1.

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Mit einer Belegstellenkönigin kauft man also eigentlich einen Genpool – kein Einzelidividium um es mal so zu formulieren.

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Bei einer Standbegattung (F1) kommt häufig ein Heterosis-Effekt zum tragen, welcher diese Völker ins Spitzenfeld rückt. Da die Drohnen einer F1 idente Eigenschaften der Mutter mitbringen, verbessert man mit ihnen laufend den Drohnenspiegel am Stand. Zu einer guten F1 kommt man entweder durch eigene Zucht, ausgehend von einer Reinzuchtkönigin, durch Erwerb von bereits begatteten, oder auch unbegatteten Königinnen. In letzterem Fall trägt man natürlich selbst das Risiko einer guten Begattung.

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Erfahrungsgemäß kommen in der F1 die Anlagen der RZ Mutter voll zum tragen, bzw. werden durch die Heterosis noch verstärkt. In Gegenden mit geringem Fremdeinfluss kann man auch versuchen bei fortgesetzter Selektion von den F1 weiter zu vermehren. Besonders wenn man schon eine zeitlang an der Verbesserung des Drohnenspiegels gearbeitet hat (Basiszucht).

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Im Juni, je nach Wetter etwas früher oder später, sind Ableger mit einer 0 jährigen jungen F1 Königin ein guter Start, da die bereits in voller Eilage ist und auch auf eigenem Honig sitzt. Eine Umlogierung in die eigenen Beuten stellt dabei keine Brutunterbrechung dar. Es ist aber auf ein gutes Trachtangebot zu achten damit die Entwicklung zügig weitergeht. Notfalls, z.B. bei Schlechtwettereinbruch – füttern. Sicherheitshalber ist es ratsam Teig aufzulegen und bei Bedarf zu ergänzen. Ist eine Tracht gegeben ignorieren sie den Teig, aber er garantiert eine zügige Entwicklung ohne Störung.

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Belegstellenköniginnen sind in der Regel jahreszeitlich später dran, haben durch käfigen, Versand bzw. einer gewissen Verweildauer im Begattungskästchen eine massive Brutunterbrechung erfahren und sollten sehr gewissenhaft in Kleinableger eingeweiselt werden. Natürlich trifft das auch auf F1 Königinnen zu, die versendet wurden, nur sind sie nicht an Belegstellenzeiten gebunden und daher oft schon früher verfügbar. Sie benötigen ihre Zeit um mit der Bruttätigkeit wieder auf Touren zu kommen. Deshalb ist es auch riskanter sie in ein Vollvolk einzuweiseln, da ihre Pheromonproduktion in Zusammenhang mit der Legeleistung steht. Von Vollvölkern werden sie oft als minderwertig eingeschätzt und es werden (vorübergehend) Weiselzellen angeblasen.

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Sie sind gegenüber der bereits im Ableger geschlüpften und begatteten F1 Königinnen im Nachteil.

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Werden sie in einen Kunstschwarm eingeweiselt ist zwar ihre Annahme risikoloser, aber durch die unvermeidliche Fütterung ohne eigene Vorräte sitzen sie nur auf Zucker. Die Erzeugung von Winterbienen auf Zuckerzellen ist aber ein Widerspruch in sich. Wenn nicht zumindest eine anhaltende gute Läppertracht zur Verfügung steht ist ihre Überwinterungstauglichkeit auf Grund begrenzter Langlebigkeit in Frage gestellt.

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Daher ist der Flüssigfütterung ein Drittel, besser die Hälfte eigener Honig hinzuzufügen.

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Eine risikolose Art des Zusetzens ist die Bildung eines „Ablegers“ NUR mit verdeckelten, schlupfreifen Waben OHNE BIENEN über dem Duftgitter eines anderen Volkes. Damit kann man dann auch Vollvölker problemlos umweiseln.

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Wer also (noch) nicht vorhat Zuchtserien anzulegen, ist mit F1 besser dran. Vorzugsweise im Brutableger wo eine ununterbrochene Aufwärtsentwicklung gewährleistet ist.

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