Zuchtpraxis

Zur Einstimmung:

Wir alle brauchen gelegentlich mal eine oder mehrere Königinnen und was kann schöner sein, als die selbst heranzuziehen?

Vom Bienenvirus sind wir ja längst alle befallen – also kommts`s auf einen weiteren Virus auch nicht mehr an. Der Zuchtvirus wartet schon – geben wir ihm doch eine Chance.

Da Rassen hier nicht das Thema sind, gehen wir nicht darauf ein wenn jemand Bienen mit seinem Dackel verkreuzen möchte – auch wenn das Nobelpreisverdächtig wäre und die „Dackelbiene“ mit genetischer Vielfalt protzen könnte.

Voraussetzung für ein Zuchtvorhaben sind in erster Linie Begeisterung, ein beträchliches aber kalkulierbares Maß an Zeit und ein Kalender wo die Discobesuche gestrichen wurden. Und dann können wir loslegen.

Anfangsüberlegungen

Da hier kaum Großzüchter mitlesen, gehe ich davon aus dass mit ein bis zwei Dutzend Königinnen wohl die Meisten ihr Auslangen finden werden. In dieser Kategorie lohnt sich längst das Umlarven. Daher werde ich mich vorerst darauf konzentrieren. Im einstelligen Bereich kommt man auch mit einem einfachen Bogenschnitt durch. Aber davon später.

Die wirklich allererste Überlegung ist die des benötigten Materials. Die Hardweare sozusagen. Bedenken wir – für jede unbegattete Jungkönigin brauchen wir sofort nach ihrem Schlupf ein Begattungskästchen. Wer das nicht rechtzeitig hergerichtet hat erlebt die erste Lektion in Stressbewältigung wenn ihm die Königinnen sozusagen unter den Händen schlüpfen.

Als Begattungskasten kann man fast alles verwenden was einen Hohlraum besitzt. Ich möchte auf eine heute komisch anmutende Variante früherer Zeiten hinweisen, die aber dennoch funktioniert hat.

Nämlich die Zucht im umgestülpten Blumentopf.

Das damals hochmoderne EWK (Einwabenkästchen) war kaum erschwinglich und so konnte/musste sich die „Erfinderitis“ ungehindert austoben. In der heutigen Zeit der Luxusimkerei wird man wohl auf die „Blumentopfimkerei“ verzichten und zum Apidea – Kirchhainer oder Lunzerkästchen usw. greifen, obwohl das EWK damit noch keineswegs als überholt angesehen werden sollte. Es wird auch nach wie vor im Handel angeboten.

Wenn Interesse besteht, kann ich später die „Blumentopfzucht“ noch eingehender beschreiben, denn bei allem Spaß der da drinnen steckt, sie hatte auch durchaus ihre Vorzüge.
Und vielleicht kann sie für so Manchen auch heute noch die Rettung darstellen, wenn er Königinnen hat und nicht weiß wohin damit.

Natürlich kann man die Königin auch gleich im Begattungsableger schlüpfen lassen. In dem Fall nehmen wir 1 –3 Brutwaben, je nach Jahreszeit und Rähmchenmaß, geben Futter – und Pollenwaben dazu und setzen die schlupfreife Weiselzelle ein. Später darüber mehr, aber jetzt sind wir ja erst bei unseren Anfangsüberlegungen und das bedeutet – Vorbereitung des Materials.

Für den Vorgang des Umlarvens brauchen wir natürlich auch einen Umlarvlöffel. Da gibt es verschiedene Ausführungen und man muss selbst herausfinden mit Welcher man am besten zurechtkommt. Für mich kommt NUR der originale Schweizer Umlarvlöffel in Frage. Original sage ich deshalb weil es davon auch einen Nachbau gibt, der mir persönlich nicht gefällt. Aber das ist vielleicht auch Gewohnheitssache. Tatsache ist, dass das Original eine wesentlich feinere Spitze hat als der Nachbau.

Weiter`s ist zu sorgen, für ausreichend Licht und ggf. eine Lupe.

Zum Thema Licht gibt es eine sehr einfache Variante. Besucher unseres ehemaligen Mai – Zuchttages kannten das schon.
Eine schmale leichte Taschenlampe, zwischen Zeige-und Mittelfinger geklemmt, mit dem Daumen abgestützt, leuchtet direkt in die Zelle hinein und erlaubt das Halten einer kleinen Lupe mit derselben Hand. Bei mir die Linke. Mit der Rechten halte ich den Umlarvlöffel. Das mag etwas kompliziert klingen ist aber im Grunde – wenn man den Bogen mal raus hat – sehr einfach.

Umlarven mit Taschenlampe und kleiner Lupe
auch hilfreich bei`m Abstreifen der kleinen Larven

Auch hilfreich beim Abstreifen im Näpfchen

Die Weiselnäpfchen haben wir Jahrzehnte lang selbst gegossen. In früheren Zeiten haben Imker dazu einfach eine Haselnuss in Wachs getaucht. Obwohl das Näpfchen dann eher einem Eierspeisreind`l geglichen hat, haben es die Bienen angenommen.
Der Trick dabei war, die Ränder des Näpfchens so hauchdünn auslaufen zu lassen dass sie leicht von den Bienen in die gewünschte Form gebracht werden konnten.

Sehr rasch wurde die Haselnuss dann aber durch ein Formholz ersetzt, im Extremfall sogar mit Ebenholzkappe. Hier löste sich das Näpfchen besonders gut ab. Im Handel habe ich diese besonderen Formhölzer nie gesehen, sonden nur auf der damaligen Bundesanstalt in Lunz von Ruttner.

Zuchtrahmen für Holzstoppel mit selbstgegossenen Näpfchen

Viele Imker schwören auch heute noch auf selbstgegossene Näpfchen aus eigenem Wachs, obwohl von Nicot, Solche aus Kunststoff zur Verfügung stehen.
Ich selbst habe mich auch lange gegen das Kunststoffnäpfchen gesträubt, bin aber letztendlich doch vom Saulus zum Paulus geworden.
Vergleiche haben mir gezeigt dass die Annahme um Nichts schlechter ist, aber die Handhabung durch die Umsteckmöglichkeit um Vieles einfacher.

Wer nun aber partout nicht auf das Wachsnäpfchen verzichten will und dennoch die Vorzüge des Nicotsystems mit seinen Umsteckmöglichkeiten in Anspruch nehmen möchte – der kann auch die Wachsnäpfchen in den Näpfchenhalter vom Nicot einsetzen. Es ist eine Spielerei – aber es geht.

Es gäbe dazu auch noch die Umsteckbox von Nicot (Jenter hat ein Ähnliches) – aber mir persönlich gefällt es nicht und im Bereich von den erwähnten ein bis zwei Dutzend gewünschten Königinnen mit immerhin 110 Kunststoffnäpfchen überdiemensioniert. Ausserdem erfordert es eine Eingewöhnungszeit von 3 Wochen im Bienenvolk – VOR Zuchtbeginn und zwingt dazu, nur von EINER Königin nachzuziehen. Ausser man verwendet mehrere Boxen. Aber das geht dann in Richtung Großzüchter, denn das sind dann mehrere Male 110 Näpfchen.
Die Zuchtköniginnen die darauf gesperrt werden erfahren eine ziemlich arge Störung in ihrem Rhythmus und gehen in Folge auch manchmal verloren. Für Großzüchter mag das eine durchaus vertretbare Variante sein, aber für uns (und mich) kommt sie wohl nicht wirklich in Frage.

Auch die Möglichkeit des Anbrütekastens lasse ich hier aus, denn, obwohl er eine wirklich gute Alternative darstellt ist er auch nur bei höheren Stückzahlen sinnvoll.

Zusammenfassung – was wir brauchen:

Formholz für Näpfchen oder Fertige aus Kunststoff, inclusive Sockel und Näpfchenhalter.


Zuchtrahmen und Zuchtstoppel

Umlarvlöffel – oder die Umsteckbox von Nicot.
Lupe wenn nötig
Taschenlampe (schmal und handlich um sie zwischen 2 Fingern halten zu können)
Schlupfkäfige und Hürdenrahmen
Begattungskäschen und natürlich – Zuchtstoff

Grundsätzliches zur Zucht:

Wie bei Menschen auch meistens, sind auch bei den Bienen die Mädels frühreif und die Jungs Spätzünder.
Da wir uns ja hier ganz bewusst der Kuppelei schuldig machen wollen, müssen wir das berücksichtigen. Die Jung`s wollen gehätschelt und gepflegt werden und wenn das Wetter nicht mitspielt werden sie sehr schnell ihrer männlichen Aufgabe überdrüssig.

Die Königin braucht vom Ei bis zum Schlupf bekanntlich 16 Tage und der Drohn bereits 24

Aber damit nicht genug, denn die Königin ist 3 Tage nach ihrem Schlupf schon bereit für die Paarung. Der Drohn braucht 4 x so lange, also gut 12 Tage.

Daher stammt auch der Imkerspruch – „Frühzucht ist Mühzucht“

Ich empfehle deshalb die Zucht im Mai. Da ist man auf der sicheren Seite. Und auch hier spreche ich von den wärmeren Tallagen. In den Bergen kann um die Zeit noch sehr viel Schnee liegen und der ideale Zuchtzeitpunkt verschiebt sich noch weiter.

Es gilt die Faustregel der 40 Tage beim Drohn. Das heißt – vom Ei weg ist er 40 Tage später geschlechtsreif. Oder anders ausgedrückt – wenn die ersten Drohnen bereits schlüpfen kann mit dem Umlarven begonnen werden.

Natürlich sind Frühzuchten eine gute Möglichkeit um zu Reinpaarungen zu gelangen, aber das ist ein eigenes Thema und absolut ungeeignet für jeden Anfänger, weswegen wir hier auch nicht näher darauf eingehen werden.

Wenn wir die Zucht starten und mit Start meine ich die belarvten Weiselnäpfchen, so liegt es auf der Hand dass ich ein besonderes Volk brauche wo ich eben diese Weiselnäpfchen einhängen kann. Also ein Startervolk.

Wie sieht ein Startervolk aus?

1, es ist weisellos,
2, es ist überstark
3, es hat keine offen Brut mehr

Nun, weisellos ist wohl klar, da wir ja von dem Volk erwarten dass es unsere Weiselnäpfchen gut pflegen wird.

Aber bereits bei Punkt 2 scheiden sich die Geister und es wird ein seltsames imkerliches Phänomen sichtbar. GEIZ
Geiz mag zwar geil sein wie uns die Werbung zu suggerieren versucht, was sie aber dabei verschweigt, Geiz kann auch ziemlich teuer werden. Da scheint bei vielen Imkern im Kopf eine Art Registrierkassa zu klingeln beginnen und die kalkuliert schon im Voraus den Verlust von Honig der da zu beklagen wäre usw. usw. Nachher steigt der Typ in seinen Mercedes und fährt heim. Aber nicht bevor er zuvor ein Nachzüglervolk als Starter ausgewählt hatte welches sowieso kaum etwas gebracht hätte und für die Zucht noch allemal gut genug sei. Er glaubt, weil er es in einen kleineren Ablegerkasten zusammengestaucht hat und jetzt auch voll aussieht, sei es ebenso gut.

ER IRRT Denn es fehlt die Motivation.

Wir erwarten vom Starter nämlich nicht nur eine GUTE Pflege, sondern auch eine SCHNELLE. Denn wenn da alle halbe Stund` mal ein Biene an dem Zuchtrahmen vorbeiläuft und sich wundert – uups was haben wir denn da? Dann wird unser geiziger Mercedesfahrer genau das ernten was er gesät hat.

Ich erzähle das mit Absicht etwas „blumig“ denn genauso ist es WIRKLICH. Wer beim Starter knausert, der sollte die Finger von der Zucht lassen.

Es gilt der Grundsatz:

„Für die Zucht ist das Beste gerade gut genug“.

Punkt 3 ist lockerer zu nehmen. Auch wenn noch ältere, offene Brut vorhanden ist stellt das kein Problem dar. Es geht ja nur darum, sich das leidige Ausbrechen von Weiselzellen zu ersparen wenn der Zuchtrahmen bereits drinnen hängt.

Am Besten setzt man dem zukünftigen Starter die Brut über das Absperrgitter und ordnet auch gleich die Futter und Pollenwaben dazu. Die Königin bleibt natürlich unten. In die Mitte der Zarge können wir ein Rähmchen mit Vorbaustreifen setzen. (Baurahmen) Dieses wird sofort von Baubienen in Beschlag genommen. Schon nach 7 – 8 Tagen kann diese Zarge dann auf den Boden gesetzt werden und die Bodenzzarge mit der Königin kommt als Ableger auf einen neuen Platz. Vorher fege ich noch zusätzlich Jungbienen dem Starter hinzu, damit der vom Bienen förmlich überquillt.

Mit einer Futtergabe entschuldige ich mich bei den Bienen für das Ungemach und entferne zuletzt noch den mittlerweile kräftig ausgebauten Baurahmen, auf welchem im Idealfall Drohnenbau errichtet wurde. Das bestätigt mir die Zuchtwilligkeit des Volkes.

Jetzt kann ich mich ohne Eile dem Umlarven widmen, denn dem berstend vollen Volk, welches nicht nur gut versorgt ist, sondern dem die heimkehrenden Trachtbienen noch laufend Nektar bringen, genügen 2 Stunden um sich seiner (hoffnungslosen da keine offene Brut) Weisellosigkeit bewusst zu werden. Ich lehne es ab ein solche Volk noch tagelang in dem Zustand zu belassen, denn im Grunde ist es (in der Natur) ein Todeskandidat. 2 – 3 Stunden reichen aber nicht aus um in eine Depression zu fallen.

Ich mag gutgelaunte Völker ebenso wie gutgelaunte Menschen und wenn ich danach die fertige Zuchtlatte einhänge – freue ich mich, meine Mädels nicht zu lange „im Regen stehen gelassen zu haben“. Ein solches Volk verträgt leicht 20 Weiselnäpfchen und die Annahmequote liegt durchschnittlich so zwischen 15 – 19 Stück. Aber bereits am nächsten Tag bekommen sie wieder eine neue Zuchtlatte während die vom Vortag in den Honigraum eines weiselrichtigen Volkes umgehängt wird. usw. Das Spiel kann man einige Tage hintereinander betreiben.

Das Volk, wo man die angenommenen Zellen dann im Honigraum weiterpflegen lässt bezeichnet man als Finisher. Darüber später mehr.

In einem Starter müssen die Bienen regelrecht Platznot haben. Wenn wir später den Zuchtrahmen in die freigelassene Wabengasse senken, so muss Diese VOLL mit ambitionierten Bienen sein. Deshalb darf der Starter keineswegs an Futternot oder Pollenmangel leiden. Auch hier ist der Mai ein gute Zeit, da in der Regel hier die Natur alles bietet was die Bienen brauchen. Dennoch schadet eine kleine Futtergabe nicht.

Vorbereitung der Begattungskästchen:

Vom Umlarven an beginnt die Uhr zu ticken und 6 – 7 Tage später (kommt auch auf die Tageszeit des Umlarvens an) – müssen die Kästchen bereit stehen.

Ein Apidea besitzt 3 kleine Rähmchen in welche ein Vorbaustreifen eingelötet wird und dahinter der (herausnehmbare) Futterraum. Hier gebe ich einen Futterteig z.B. Apifonda und zwar beim Apidea nur halbvoll. Mehr benötigen sie bei uns nicht und stehengelassener Futterteig neigt dazu hart zu werden. In Warth wird mit flüssiger Fütterung experimentiert, aber mir wäre das zu unsicher und zu viel Patzerei.

Wichtig ist es beim Futterabteil das Absperrgitter nicht zu vergessen denn es ist keine lustige Arbeit, dann aus dem Wildbau die Königin herausbuddeln zu müssen.

So vorbereitet harren die Kästchen ihrer Bestimmung.

Bei den handelsüblichen EWK (Einwabenkästchen) – habe ich längst einige Änderungen vorgenommen.

Ich liebe die EWK`s nicht nur, sondern bevorzuge sie auch nach wie vor. Denn hier sehe ich mit einem Blick durch die Scheibe was damit los ist.

Bei den EWK`s habe ich schon seit Langem, das Rähmchen durch einen einfachen Oberträger ersetzt. Das vergrößert die Wabenfläche und erleichtert auch später das Zusetzen neuer Königinnen im Ausfresskäfig.

Ausserdem wird der Aufstieg (obwohl im Original nicht vorgesehen) ebenfalls mit einem Absperrgitter versehen. Somit ist die Königin in 95% aller Fälle sofort zu sehen. Auf der Rückseite (gegenüber dem Flugloch) sind 2 senkrechte Lüftungsschlitze eingesägt.

. . . hier sind die senkrechten Lüftungsschlitze zu sehen

Die Lüftung am Boden mittels gelochtem Blechstreifen gefällt mir nicht, da sie leicht verlegt wird. Sei es durch Totenfall oder auch Abstellen der Kästchen.

die Wabe wird frei im Kästchen gebaut

Das Futterabteil der EWK`s fülle ich voll mit Futterteig, da hier selten mal ein Rest übrigbleibt. Um im Bedarfsfall, bei mehrmaliger Besetzung auch flüssig nachfüttern zu können, werden die Futterabteile vorher mit flüssigem Wachs abgedichtet.

EWK`s benötigen zum Unterschied von Apideas noch einen Schutzkasten. Wer mit diesen Kästchen arbeitet muss die auch rechtzeitig bereitstellen. Am häufigsten sind 2er Schutzkästchen wo die Bienen nach entgegengesetzten Richtungen ausfliegen können.

Schutzkästchen für EWK (grün) und Apidea`s mit Aufsatz

Im Schutzkasten ist ein Trennschied zwischen den beiden EWK`s sinnvoll. Denn wenn aus Einem mal die Königin entnommen wird kann es passieren dass Dieses kurz danach rüberwandert zum Weiselrichtigen.

2012 hab ich eine Kuriosität erlebt. Eines der beiden Kästchen war durch die Entnahme der Königin weisellos geworden und antsatt dass das Weisellose (trotz Trennschied) zum Weiselrichtigen gewandert wäre kam es umgekehrt.

Das Weiselrichtige zog samt Königin um in das Weisellose. Da guckt der Imker aber – und na ja, Bienen sind eben auch Frauen, was Soll`s.

Wer die klassische Form bevorzugt und nicht auf Nicot zurückgreifen möchte, benötigt jetzt nur noch genügend Zuchtstoppel und einen gelochten Rahmen um sie einzustecken.

Früher haben wir einfache Korken dafür verwendet in die, der besseren Haftung des Wachsnäpfchens wegen, eine kleine Mulde reingeschnitten war. Das wurde längst von gedrechselten Holzstoppeln abgelöst.
Die Mulde ist hier bereits exakt vorgegeben.

Es gab 2 Versionen davon. Die oben im Bild gezeigten Stoppel, welche von oben in den gelochten Zuchtrahmen gesteckt wurden.
Der Vorteil war dass sie nicht nach unten wegrutschen konnten. Der Nachteil allerdings das etwas schwierige Entnehmen mit den verdeckelten Weiselzellen.

Daneben waren Zuchtpfropfen in Verwendung die von unten an die Leiste gesteckt wurden – Vor- und Nachteil lagen hier genau umgekehrt.

Es war also reine Geschmackssache wofür man sich entscheiden wollte. Praxistauglich waren beide und mit Beiden hatte man Erfolg wenn man darauf eingespielt war.

Passend zu den jeweiligen Stoppeln musste man natürlich auch Schlupfkäfige für die Aufnahme der verdeckelten Weiselzellen bereithalten. Davon gab es die verschiedensten Ausführungen. Alle benötigten ein kleines Futterabteil welches aus einer Bohrung bestand und Gitterflächen um in Kontakt mit den Bienen zu stehen.

Ich habe ganze Käfigleisten verwendet. Das hatte den Vorteil sie leichter in das Hürdenrähmchen zu bekommen und den Nachteil die Käfige nicht einzeln handhaben zu können. Alles hat eben zwei Seiten.

Diese kleinen Schlupfkäfige wurden in ein dafür vorbereitetes Rähmchen gestellt – dem sogenannten Hürdenrahmen.
All diese notwendigen Kleinigkeiten werden heute mit dem Nicot System fast perfekt gelöst und abgedeckt.

Hier wird der Sockel an die drehbare Leiste des Zuchtrahmens angeschraubt, darauf der Näpfchenhalter gesteckt mit dem Kunststoff – oder wahlweise auch Wachsnäpfchen. Wenn die Weiselzelle verdeckelt ist kann man den Käfig ohne weitere Manipulation ebenfalls von unten draufstecken und fertig.

Dieses System ist überzeugend einfach und ziemlich ausgereizt. Auch sind im Aufsteckkäfig von Nicot an der Verschlusseite kleine Rillen für einige Tropfen Honig vorgesehen.

Wer es einfach und unkompliziert haben will wird mit Sicherheit auf dieses System zurückgreifen.

Es kann losgehen !

Wenn wir am 1.Mai mit dem Umlarven beginnen können wir gegen Ende Mai mit den fertigen Königinnen rechnen. Um diese Zeit haben wir Brut in allen Stadien und ein längerer Verbleib der Königin im Kästchen würde sie zu einem Legestopp zwingen.

Unser Material liegt bereit, der zukünftige Starter ist vorbereitet, steht aber noch über dem Absperrgitter am Muttervolk.

Als Erstes werden wir den geeigneten Zuchtstoff aus dem gewünschten Volk suchen. Um diese Zeit wird das kein Problem sein. Bei späteren Zuchten ist das oft schon problematischer. Wenn die Königin eine Brutpause eingelegt hat ist nichts zu machen. Haben wir dann keine Alternativen zur Hand müssen wir warten. Hier erweist sich die große Stärke des Umlarvens, denn wir benötigen nicht einmal eine handtellergroße Fläche von Larven im geeigneten Alter. Aber Anfang Mai ist das nie ein Problem.

Wir werden eine Eiwabe wählen welche , meist im Zentrum die ersten Larven zeigt. Wer sich bezüglich des Alters der Larven unsicher ist, kann auch 4 Tage vorher eine schöne Leerwabe in`s Brutnest hängen, notfalls etwas reizfüttern und verfügt dann über Zuchtstoff welcher genau passt.

Wir markieren diese Wabe und hängen sie nach oben. Es geht einfach darum sie griffbereit zu haben.

Will man sie mehrere Tage verwenden, so geben wir links und rechts ebenfalls Brutwaben hinzu damit sie bestens gepflegt wird. Es muss auch nicht im eigenen Volk sein, sondern wir wollen sie nur schnell und unkompliziert bei der Hand haben.

Als Nächstes nehmen wir die Zarge mit dem zukünftigen Starter ab, stellen ihn auf den Boden, kehren noch reichlich Bienen vom Muttervolk dazu und entnehmen den Baurahmen.
Anschließend legen wir etwas Futterteig auf die Rähmchen aber so dass der Raum für die Zuchtlatte frei bleibt. Anschließend kommt der Deckel wieder drauf und wir gehen – – -> Kaffee trinken

Es ist wirklich so.

Lernen wir diesen Moment zu genießen. Wir haben unseren Zuchtstoff griffbereit, der Starter ist vorbereitet und muss sich nur noch seiner Weisellosigkeit bewusst werden.

Wir haben also Zeit.

Wir werden TROCKEN umlarven wie es so schön heißt. Das bedeutet wir versorgen die Zelle zuvor NICHT mit Futtersaft. Es hat schon unzählige Versuche in dieser Richtung gegeben und es wurde nie ein Vorteil darin gefunden wenn zuvor ein Futtertropfen in die Zelle verbracht wurde.

Es ist nur unnötige Mehrarbeit und meiner Meinung nach auch ein Risiko. Denn der Futtersaft dürfte in seiner Zusammensetzung dem Alter der Larve angepasst sein. Dem können wir sowieso nie entsprechen und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, es war weder die Annahmequote besser noch die Weiselzelle schöner. Eher im Gegenteil. Ich werde den Verdacht nicht los dass eine Gabe von Futtersaft die Bienen über das Alter der Larve hinwegtäuschen kann. Im obigen Bild mit der kleinen Zuchtstoffwabe ist recht gut zu erkennen welche Larven ideal sind. Wie wir sehen können grenzen diese Larven an Bereiche mit Eilage an und haben einen perlmuttartigen Glanz.

Teilweise ist auch erkennbar wie sie auf dem Futtertropfen schwimmen.

Wenn wir nun umlarven ist es wichtig nur gut versorgte Larven auszuwählen. Ausserdem sind sie mit dem Umlarvlöffel auch viel leichter zu nehmen, da man unten, durch den Futtertropfen leicht durchkommt. Jeder der oft und genau in solche Zellen hineinschaut wird feststellen dass keineswegs ALLE Zellen gleichmäßig gut auf dem Futter schwimmen. Es gibt immer Welche die etwas trockener liegen als Andere. Das bestimmt augenscheinlich auch deren Größe. Denn auch in Zonen etwa gleichaltriger Larven gibt es zwischendurch Kleinere und ich empfehle diese NICHT zum Umlarven. Wir können also nicht unbedingt von der Größe auf das Alter schließen.

Das klingt aber komplizierter als es ist – keine Sorge, denn wenn man die schönen perlmuttglänzenen, auf einem leicht milchigen Saft schwimmenden, kräftigen Larven einmal intus hat, springen sie einem förmlich in`s Auge.

Bei der Wahl einer Lupe empfehle ich dringendst IMMER DIESELBE zu verwenden, damit das Größenverhältnis gleich bleibt. Es gibt im Handel einen Umlarvlöffel mit aufgesteckter kleiner Lupe, den ich zwar nicht verwende, aber ich hab ihn gekauft nur der kleinen Lupe wegen. Ich habe sie abgezogen und den Löffel weggelegt. Nun beenden wir unsere stimmungsvolle Kaffepause und gehen daran unsere vielleicht allerersten Näpfchen zu belarven. Ein denkwürdiger Moment, denn wir legen jetzt den Grundstein für eine neue Generation unserer Wahl.

Wir holen die vorbereitete Zuchtstoffwabe und legen sie etwas schräg vor uns auf. Mit Lampe und Lupe sind die kleinen Larven ausgezeichnet zu sehen und wir fahren mit der Schaufel unter dem „Rücken“ der Larve durch und heben sie an. Die beiden Enden sollten dabei über den Rand hinausreichen, ansonsten haben wir Probleme beim Abstreifen. Deshalb bevorzuge ich auch das Schweizer Original, denn es hat die feinste Spitze von allen mir bekannten Umlarvgeräten.

Wird unabsichtlich die Larve gedreht oder auch nur an der Oberseite berührt, scheidet sie bereits aus und wir versuchen uns an der Nächsten. Am Anfang wird das öfters passieren aber das ist ganz normal und kein Grund zu verzweifeln.

Haben wir die nötige Anzahl beisammen, stecken wir sie auf unseren bereitliegenden Zuchtrahmen und eilen damit sofort zum Starter, der inzwischen seine Weisellosigkeit bemerkt hat. Wir senken die Zuchtlatte langsam, direkt in die Bienenmasse des Leerraumes ein, schließen den Deckel – und atmen mal tief durch.

. . . so sind die Näpfchen belagert kurz nachdem sie in dern Starter gegeben wurden (die Nachschau war nur Zwecks Foto – bitte nicht nachmachen)

GESCHAFFT

Ein kleiner Tipp: Da es Anfangs wohl seine Zeit brauchen wird bis wir die nötige Anzahl beisammen haben, legen wir über die bereits belarvten Näpfchen ein feuchtes (nicht nasses) Geschirrtuch um sicher zu stellen, dass die Ersten von ihnen nicht zu sehr austrocknen.

Am nächsten Tag können wir bereits die Annahme der Zellen kontrollieren. Die Angenommenen haben bereits einen kleinen Baurand, während die Ausgefallenen teilweise etwas abgenagt sind. Zumindest ist der Unterschied deutlich sichtbar.

Im Zweifelsfall genügt ein kurzer Blick in die Zelle, wo jetzt die Larve in einem recht großen Futtersaftsee schwimmt. Sollte bei der einen oder anderen Zelle dieser Futtersaftsee deutlich geringer sein, dann sind die Bienen damit unzufrieden und wir können die Zelle sogleich entfernen. Die würde von den Bienen am nächsten oder übernächsten Tag noch ausgeschieden werden.

Finisher:

Selbstverständlich können wir die Zellen nun in unserem Starter bis zur Verdeckelung weiterpflegen lassen. Aber es wäre ja schade die Annahmewilligkeit unseres Starters nicht weiter zu nützen. Vor allem deshalb, weil die zweite Serie noch um Einiges besser angenommen werden wird als die Erste. Das Volk hat sich auf die Anpflege eingestellt.

Unsere Zuchtstoffwabe, die wir wieder am selben Platz eingehängt haben ist griffbereit und zumindest für 3 Tage verwendbar. Vielfach ist es üblich einfach die ausgefallenen Näpfchen durch neu Belarvte zu ersetzen. Das wird zwar einige Zellen mehr bringen, aber die Annahmewilligkeit für junge Larven sinkt solange Ältere (die von gestern) dem Volk zur Verfügung stehen.

Wenn wir also unserem Starter heute wieder eine ganz neue Zuchtlatte geben wollen, müssen wir für die Zellen von gestern ein anderes Volk finden welches die Weiterpflege übernimmt.

Dieses Volk wird in den nächsten 4 Tagen unsere Weiselnäpfchen bis zur Verdeckelung übernehmen. Wir nennen diese Völker Finisher.

Ein Finisher ist ein weiselrichtiges, starkes Volk MIT Absperrgitter. Wir müssen hier einige Waben mit offener Brut nach oben hängen um genügend Ammenbienen hinauf zu locken. In die Mitte dieser jungen Brutwaben kommt nun unser bereits angepflegter Zuchtrahmen vom Vortag.
Auch der Finisher sollte bereits ein/zwei Tage vorher hergerichtet werden, damit sich die Ammenbienen in genügender Zahl oben einfinden konnten. Auch hier ist – tracht- und wetterabhängig eine Reizfütterung sinnvoll. Für mich kommt da nur eigener Honig in Frage.

Bogenschnitt – (und Zellnester)

An dieser Stelle möchte ich auf den eingangs erwähnten Bogenschnitt näher eingehen.

Er ist eine Option, wenn nur einige Königinnen gewünscht werden. Oft wird dagegen eingewendet, die wären auch im Laufe der Saison durch Schwarmweiselzellen erzielbar. Das stimmt, aber wir wollen ja VON EINER (oder einigen) BESTIMMTEN Königin eine Nachzucht anlegen und es ist fraglich ob gerade DIESES gewünschte Volk in Schwarmstimmung kommen wird.

Bei Bienenständen im einstelligen Völkerbereich, die auch nicht erweitert werden sollen wird man in aller Ruhe abwarten können bis irgendeines der Völker Anzeichen von Schwarmlust zeigt. Die Erstellung eines eigenen Starters wird hier oft als zu viel Aufwand empfunden und man fühlt sich da keineswegs zur Eile gedrängt. Dennoch gäbe es da und dort eine „Lieblingskönigin“ von der einige Töchter schon zu Freude gereichen würden.

Es ist eine vielleicht schon ältere Königin welche durch gute Leistung und dem völligen Fehlen von Schwarmneigung bereits in der vergangenen Saison aufgefallen ist. Ja – da würden einige Töchter schon interessant sein und sei es auch nur darum, um herauszufinden ob sich dieses Verhalten vererbt.

Wenn das Erste der Völker (die man auch zusätzlich etwas enger halten kann) nun beginnt Weiselzellen zu bestiften – ist es unser Kandidat für die Zucht im weiselrichtigen Volk.

Sind hier bereits ältere Weiselzellen im Entstehen begriffen werden wir die ausbrechen und die Königin unter das Absperrgitter setzen. Im oberen Raum, welcher mit reichlich Brutwaben und auch Futter ausgestattet ist schaffen wir den Platz für das Zuchträhmchen.

Als Nächstes suchen wir in unserem Zuchtvolk nach einer schönen Eiwabe. Auch wenn sich darauf bereits Brut in allen Stadien befinden sollte ist das kein Problem. Wichtig für unser Vorhaben ist nur EINE STELLE auf der Wabe, wo sich BEIDSEITIG Eier befinden. Um so langgezogener sich diese beidseitigen Eiflächen über die Wabe hinziehen – desto besser.

Auch wenn sich der Schnitt, den wir nun mit einem Messer durchführen werden Bogenschnitt nennt, hat das nichts mit seiner Form zu tun. Wir schneiden die Wabe der Länge nach ab und folgen dabei mit dem Messer einfach dem Verlauf der Eizellen.

Nach erfolgtem Schnitt sind also jetzt an der Schnittkante NUR Eier in den Zellen. Anschließend schrägen wir die Wabe ab. Wir kürzen also die Zellhöhe an BEIDEN Seiten etwas ein.

Prinzipiell könnten wir die Wabe jetzt bereits in unser Schwarmvolk einhängen. Es würde an der Schnittkante schöne Weiselzellen errichten. Allerdings würde sich hier sehr häufig 2 – 3 und mehr zusammengebaute Weiselzellen vorfinden die wir nicht mehr vereinzeln können. Das wäre an sich egal wenn wir sie in Ableger einsetzen wollen und wenn die Anzahl ausreicht. Denn zwei Drittel der Zellen würden wir verlieren, weil sie wie gesagt nicht voneinander zu trennen sind.

Um zu schönen, einzeln hängenden Zellen zu kommen quirlen wir mit einem Streichholz überzählige Eier aus den Zellen und lassen nur jede 3 – 4 Zelle unversehrt. Dabei ist auch die Gegenseite der Wabe zu berücksichtigen. Die intakten Eizellen müssen wie man sagt – „im Verband“ angeordnet sein. Wir haben also keine Eizelle mit einer intakten Nachbarzelle und schöne, einzeln hängende Weiselzellen werden unsere Arbeit belohnen.

Wir werden also Königinnen erhalten, die aus dem Ei gezogen und in einem weiselrichtigen, schwarmtriebigen Volk aufgezogen wurden.

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch kurz auf die Methode der Zellnester eingehen. Das Prinzip ist dasselbe wie beim Bogenschnitt. Nur wird hier anstelle des Bogenschnittes, eine Eiwabe in Streifen geschnitten. Diese werden mit der Zellöffnung nach unten an einer Trägerleiste befestigt und im Abstand von einigen cm fest (mit der Schmalseite eines Rähmchenholzes) angedrückt. So entstehen kleine Blöcke (Nester) von, nach unten ausgerichteten Eizellen. Die Länge der Zellen wird ebenfalls eingekürzt.

Ich möchte gleich vorweg nehmen das einzeln befestigte Eizellen von den Bienen nicht angenommen werden. Quirlt man jetzt bei den Zellnestern zu viele Eier heraus, gefährdet man die Annahmequote. Hier ist also Vorsicht geboten.
Ich habe das nur der Vollständigkeit halber erwähnt und rate eher zum bewährten Bogenschnitt.

Nachdem die Weiselzellen verdeckelt sind, sollten sie sofort in Käfige oder Ableger verschult werden weil sonst ein kräftiger Wildbau zu erwarten ist. Die Bienen bauen nämlich die abgeschnittene Wabe gerne flott wieder aus.

Nachdem wir ja keine Zuchtstoppel verwendet haben, schneiden wir großzügig über der Zelle ab. Wir lassen also genug Wachs überstehen um die Zelle eventuell am Rand eines Käfig`s oder auch auf einem dünnen Stück Holz ankleben zu können.

Da diese Zellen ja erst vor Kurzem verdeckelt wurden, benötigen sie noch eine Woche bis zum Schlupf. Wir müssen sie also in das Zentrum des Ablegers rücken, bzw. wenn gekäfigt in einem entsprechenden Volk deponieren welches die nötige Stärke besitzt, sie mit der optimalen Umgebungstemperatur und Feuchtigkeit zu versorgen.

Verschulen der Jungköniginnen

Wenn der Zeitpunkt des Schlupfes heranrückt wird es wieder interessant.
Falls wir beabsichtigen mit den Königinnen einen Begattungsableger zu bilden ist es von Vorteil bereits die schlupfreife Zelle zu verschulen. Die Königin schlüpft dann störungsfrei in ihr zukünftiges Volk.

Die übliche Lehrmeinung sieht hier wieder nur verdeckelte Brut vor. Das ist sicher kein Nachteil, aber ich kann auch keinen Vorteil darin erkennen. Auf jeden Fall ist es aber eine Mehrarbeit, die ich mir immer erspart habe. Wir müssten den Ableger 9 Tage stehen lassen, danach penibel genau die Weiselzellen ausbrechen und wenn wir auch nur Eine übersehen ist das Ganze mehr als fragwürdig geworden.

Ich erstelle die Ableger meist am Abend zuvor. Weiselzellen interessieren mich nicht, aber dafür wird die Edelzelle GESCHÜTZT zugesetzt. Der einfachste Schutz ist ein Streifen Staniolpapier der um die Zelle gewickelt wird.

– die Zelle wurde mit Staniol geschützt
Ich habe das viele Jahre so mit Erfolg gemacht. Einziger Nachteil – bei Wind machte sich das Staniol sehr gerne auf die Reise und war nie da wo ich es brauchte.
Aber heute im Zeitalter der Luxusimkerei verwende ich die Schutzhülsen von Nicot – oder anderer Hersteller. Ist im Grunde egal. Mein Wunsch dass die Hülsen auf den Näpfchenhalter aufsteckbar wären ist weder bei Nicot noch sonst wo gegeben und daher wird die Zelle einfach lose von oben in die Hülse gesteckt und fertig.

Die Bienen kommen jedenfalls mit der Zelle garnicht in direkten Kontakt, die Königin schlüpft still und unbemerkt und mischt sich unter ihr Volk. Erst jetzt nimmt sie in Folge den Stockgeruch an und wird anstandslos integriert. Eine kurze Nachschau, ob die Zelle ordnungsgemäß geschlüpft ist mag angehen, besonders wenn wir dabei nur eine kleine Ecke der Abdeckung anheben müssen. Ansonsten lassen wir dem Ableger knapp 2 Wochen Zeit und vermeiden jede Störung. Für ausreichend Futter haben wir ja gesorgt und unsere Neugierde müssen wir einfach bezähmen. Nach besagten 2 Wochen werden wir zumeist schöne Brutflächen vorfinden und ein durch und durch harmonisches kleines Volk.

Wie gesagt zumeist – aber eben nicht immer.

Auch ein guter Begattungserfolg von 80% bedeutet noch immer einen Verlust von 20%. Das ist bei Ablegern, die eine bedeutende Ressource des Volksbestandes darstellen mit Abstand zu viel. Die Nachbesetzung mit einer weiteren Zelle würde selbst im positiven Fall nur zu einem zweitklassigen Nachzügler führen und ausserdem würden wir eine solche Zelle nur verfügbar haben wenn wir eine Reihe von Serien angelegt hätten. Das wird aber in den meisten Fällen nicht der Fall sein.

Daher sollten wir IMMER parallel zu den Begattungsablegern auch genügend Königinnen in Begattungskästchen verschulen. Jetzt können wir solche ausgefallene Ableger mühelos mit begatteten Königinnen nachbeweiseln und alles ist in bester Ordnung.

Kehren wir zurück zu unserem Zuchtrahmen mit den reifen Weiselzellen die jetzt unmittelbar vor ihrem Schlupf stehen.

Da sich auch die perlmuttartigen Larven die wir umgebettet haben in ihrem Alter etwas unterschieden haben, wird sich auch der Schlupf eine gewisse Zeit hinziehen. Das ist ganz normal und es kann sein dass wir den Schlupf selbst verpassen und erst am nächsten Tag den Hürdenrahmen begutachten, in dem es jetzt recht lustig zugeht. Darum haben wir ja auch die Schlupfkäfige mit etwas Futter versorgt. Jetzt können wir sehen wie wichtig das war.

Wir zählen also unsere Jungköniginnen durch und bereiten dieselbe Anzahl an Begattungskästchen vor.

Wir schütteln von einem, oder mehreren Völkern Bienen ab zum Füllen unserer Begattungskästchen. Wenn wir damit auf eine Belegstelle fahren wollen müssen wir sie vorher noch durch ein Absperrgitter sieben. Denn es darf keine einzige Drohne mit dem Kästchen auf die Belegstelle mitkommen. Belegstellenleiter sind da meist recht konsequent und wenn sie bei einer Stichprobe auch nur eine einzige Drohne entdecken darf die gesamte Anlieferung nicht mehr aufgestellt werden und geht zurück.

Wenn wir aber am Stand aufstellen können wir uns das Sieben ersparen.

Wir besprühen die abgefegten Bienen in unserem Schwarmkisterl etwas mit Wasser und können jetzt mit einem gewöhnlichen Schöpflöffel die Bienen für unsere Kästchen entnehmen.

Beim Apidea wird das Kästchen umgedreht, mit der Unterseite nach oben und der Boden aufgeschoben. Jetzt geben wir einen Schöpfer Bienen (Menge ca. ein Joghurtbecher) hinein und schieben den Boden sogleich zu. So verfahren wir bis wir die gewünschte Anzahl beisammen haben.

Das EWK legen wir auf die Seite, entnehmen eine Glasabdeckung und können auch hier recht leicht den Schöpfer mit Bienen einfüllen.

In beiden Fällen bitte vergewissern, dass das Flugloch verschlossen ist. Kling hier zwar lustig, aber ich weiß dass man daran oft nicht denkt und sich wundert woher auf einmal die vielen Bienen kommen. Und wenn man dann das Eine entdeckt – mit übersehenem offenem Flugloch, sind schon dessen Bienen verteilt am ganzen Tisch.
Bei eventuell doch größeren Stückzahlen geht das Befüllen der Kästchen zu Zweit besser und leichter über die Bühne, da Einer die Bienen schöpft und der Andere sofort ohne erst das Zeug immer aus der Hand legen zu müssen die Kästchen verschließen kann.

Jetzt ist es sinnvoll den frisch befüllten Kästchen auch etwas Zeit zu geben sich zu sammeln. Man stellt sie abgedunkelt irgendwo ab um sie eine gute Stunde in Ruhe zu lassen. Im EWK sieht man das ja sehr gut. Laufen Anfangs die Bienen noch aufgeregt durcheinander, so sitzen sie später ruhig, wie in einer Bautraube beisammen. Einzelne Bienen suchen wohl noch aufgeregt herum, aber der Grossteil hat aufgekettet.

Diese Pause gibt uns genügend Zeit die Käfige mit den geschlüpften Königinnen aus dem Pflegevolk herauszunehmen und bereit zu legen. Auch hier vermeiden wir direktes Sonnenlicht. Je dunkler wir sie ablegen, desto ruhiger werden sie sein. Obwohl sie alle demselben Zuchtsatz entstammen können ihre Schlupfzeiten um Stunden auseinanderliegen. Wir erkennen die etwas älteren Königinnen an ihrer Lebhaftigkeit und auch an der etwas dunkleren Ausfärbung.

Wir werden sie auch zuerst in die Kästchen zusetzen, nachdem wir sie gezeichnet haben. Über das Zeichnen von Königinnen bestehen Auffassungsunterschiede. Die Einen sind dafür, die Anderen dagegen. Die Einen wollen erst nach der erfolgreichen Begattung zeichnen und Andere – so wie ich auch – bevorzugen es, das gleich in einem Arbeitsgang mit dem Zusetzen zu erledigen.

Zweifellos wird man einsehen können dass gezeichnete Königinnen die einzig sichere Methode sind um über ihre Herkunft Gewissheit zu behalten. Ausserdem sind sie leichter auffindbar.

Das Zeichnen selbst ist auch wesentlich leichter bei jungen Königinnen, da sie noch nicht so stürmisch sind wie Ältere.

Ob nun Opalith Plättchen mit Nummer verwendet werden oder nur der Zeichenstift ist Geschmackssache, aber für den Anfang würde ich den Zeichenstift bevorzugen das dies wesentlich unkomplizierter und schnell erledigt ist.

Um das Zeichnen zu üben, empfehle ich mit den „Greifen“ von Drohnen zu beginnen, danach Bienen und wenn das sitzt, erst dann Königinnen. Kurz gesagt man setzt sich die Königin auf den Mittelfinger und hält sie mit Daumen und Zeigefingen AM BRUSTPANZER fest.
In Zeiten der alten Holz – Schlupfkäfige habe ich die gezeichneten Königinnen zum abtrocknen des Klebers oder der Jahresfarbe unter Gläser gestellt und die Nummer auf einem kleinen Papierstreifen druntergeschoben.
Heute nehme ich anstelle der Gläser die Nicot – Schlupfkäfige.

Während dieser Prozedur haben die Königinnen nichts zu fressen bekommen und das bedeutet dass sie sofort nach dem Zusetzen im Kästchen um Futter gebettelt haben. Dieser Geste kann keine Biene widerstehen und die Annahme wird dadurch erleichtert.

Die gezeichnete und fertig abgetrocknete Königin wurde also unter dem Glas entnommen und mit Honig oder Honigwasser benetzt im Kästchen einlaufen lassen.

Die Kästchen werden so rasch als möglich an einen dunklen nicht zu warmen Platz gestellt und bleiben dort mindestens 3 maximal 5 Tage.

Zwischendurch kontrolliere ich bei den EWK`s die Annahme der Königin. Dazu brauche ich sie selbst gar nicht zu sehen, obwohl das recht häufig der Fall ist, sondern es genügt ein Blick auf die Naturbauwabe welche sie errichtet haben. Fehlt die – ist das Völkchen garantiert weisellos und kann nochmals nachbeweiselt werden.

Nach besagten 3 – 5 Tagen werden am Abend die Kästchen an ihrem Bestimmungsort aufgestellt und das Flugloch geöffnet.

Kontrollen der Begattungskästchen

Von dem Tag an wo wir die Kästchen aufgestellt haben dauert es bis zur entnahmereifen Königin rund 2 Wochen. Dann haben wir ein aussagekräftiges Brutbild und können damit die Königin einer letzten Prüfung unterziehen bevor wir sie in ein Volk oder einen Ableger einweiseln. Bei Apideas würde ich raten diese Zeit auch durchaus abzuwarten. Beim EWK ist das schon wieder etwas einfacher. Hier brauche ich ja das Kästchen nicht zu öffnen. Ich sehe sofort durch die Scheibe was los ist.

Wir dürfen nicht vergessen dass ja Begattungskästchen NUR als Königinnenreserve gedacht sind. Wenn wir bemerkt haben dass einer unserer Begattungsableger weisellos geworden ist, werden wir auch vor Ablauf der 2 Wochen wissen wollen ob wir nicht schon eine Königin für ihn haben. Auch wenn jetzt die ersten EWK nur offene Brut aufweisen, geht der Ableger vor. Natürlich können wir die Apideas ebenso kontrollieren, aber hier ist es immer eine Störung, da wir sie ja öffnen müssen.

Da ein 100%iger Begattungserfolg die absolute Ausnahme ist, müssen wir damit rechnen dass einige Ableger weisellos sind. Je früher wir das erkennen um so besser. Aus diesem Grund kommen die ersten Königinnen bei mir nie in die Ableger, sondern in die Begattungskästchen.

Somit haben sie einen kleinen Vorsprung und stehen bei einer Neubeweiselung der Ableger voll zur Verfügung. Der Vorteil der Apideas besteht vor allem darin die Königinnen viel länger darin belassen zu können. Auch sind sie erweiterbar und mit einem oder zwei Aufsätzen können Königinnen sogar darin überwintert werden. Die Anschaffung einiger Apideas mit Aufsatz lohnt sich durchaus wenn man über längere Zeit Königinnen in Reserve halten möchte.

EWK`s werden sehr schnell, sehr voll und sind für den raschen Bedarf an Königinnen ideal. Sie können auch mehrmals nachbesetzt werden wobei aber immer auf das Plartzangebot geachtet werden muss. Bei einer Zweitbesetzung schneidet man ein Drittel der Wabe ab, um wieder bauen zu lassen. Setzt man eine schlupfreife Weiselzelle zu, geht das ohne Rücksicht auf offene Brut nehmen zu müssen wenn man die Zelle schützt. (Hülse oder Staniol.)

Setzt man eine unbegattete Jungkönigin zu, so genügt es, sie unter weichem Verschluss (= Zuckerteig) einfach unten in das Kästchen zu legen. Die Bienen werden sie alsbald befreien, allerdings sind eventuelle Weiselzellen vorher zu entfernen.

HINWEIS: Ein BK mit unbegatteter Königin nachzubeweiseln ist NUR empfehlenswert, wenn das BK keine offene Brut mehr hat. Gibt man eine verdeckelte WZ – ist das egal.

Wollen wir einen Ableger oder auch ein weiselloses Volk nachbeweiseln, so können wir das auch gleich mit dem ganzen Kästchen machen. Wir entnehmen ein Seitenglas und stellen es ganz einfach in die Zarge hinein oder setzen es im Falle des Apideas oben drauf.

HINWEIS: Ist man sich der Annahmewilligkeit des Volkes nicht sicher, öffnet man die Scheibe des EWK`s nur einen Spalt, bzw. stellt es überhaupt nur mit offenem Flugloch hinein ( in letzterem Fall immer OBEN).

Die Königin wurde also nie gekäfigt und wechselt von allein auf die Waben über wann immer sie will und erfährt dadurch auch keine Brutunterbrechung.

Noch ein kleiner Nachtrag, obwohl es eigentlich nicht ganz in unser Thema gehört:

Bekommen wir eine Königin zugeschickt so sind vor dem Zusetzen die Begleitbienen zu entfernen. Das geht recht einfach wenn man ein Stück Absperrgitter auf die geöffnete Unterseite des Versandkäfigs legt. Die Bienen können raus – die Königin bleibt drinnen. Auch wenn in vielen Fällen das Zusetzen MIT den Begleitbienen funktioniert ist es dennoch sicherer OHNE.

Ich hoffe hiermit die Zucht nachvollziehbar dargestellt zu haben und wünsche allen die sich damit zum ersten Mal beschäftigen wollen – viel Spaß und viel Erfolg.